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Godsend



Land: USA / Kanada
Laufzeit: 103 Minuten
FSK: 16
Starttermin: 8. Juli 2004

Genre: Mystery-Thriller

Regie: Nick Hamm
Drehbuch: Mark Bomback
Darsteller: Cameron Bright, Robert De Niro, Rebecca Romijn-Stamos, Greg Kinnear, Merwin Mondesir, Sava Drayton, Jake Simons, Elle Downs, Edie Inksetter, Raoul Bhaneja, Jenny Levine, Thomas Chambers, Munro Chambers, Jeff Christensen, Deborah Odell, Janet Bailey, Marcia Bennett, Tracey Hoyt
Kamera: Kramer Morgenthau
Schnitt: Niven Howie, Steve Mirkovich
Musik: Brian Tyler








Horror - dieses Genre wurde eigentlich ausschließlich dafür geschaffen, unsere Urängste zu schüren, unsere Nerven auf eine Bestandsprobe zu stellen oder einfach nur schön zu gruselnů Dabei werden gern Momente oder Effekte genutzt, die jeder Mensch aus seinen Albträumen kennt, wodurch man behaupten kann, dass Horrorfilme von Albträumen inspiriert werden können. Leider haben sie sich dabei aber oftmals auch eine kleine Schwäche abgeguckt, nämlich Lücken. Kein Traum ist logisch oder vollständig, ebenso wenig wie die meisten Vertreter dieses Genres. Ein weiteres Beispiel dafür finden wir im neusten Thriller-Grusel-Streifen "Godsend".

An seinem achten Geburtstag wird der kleine Adam (Cameron Bright) Opfer eines tragischen Autounfalls und stirbt sofort. Für seine Eltern Paul und Jessica Dunsan (Greg Kinnear und Rebecca Romijn-Stamos) bricht eine Welt zusammen und hauptsächlich auf Grund ihre Erschütterung dauert es nicht lange, bis sie sich von Genforscher und Arzt Dr. Richard Wells (Robert De Niro) überzeugen lassen, an einem Experiment teilzunehmen, dass laut ihm eigentlich gar nicht scheitern kann. Er bietet dem verzweifelten Paar, das nicht mehr in der Lage ist, neue Kinder zu bekommen, an, ihren Sohn zu klonen. Die beiden bekommen die Chance, in einer neuen Stadt mit neuen Jobs und in einem wunderschönen Haus mit dem identischen Kind noch einmal neu anzufangen. Alles verläuft gut, man freundet sich mit Dr. Wells an, doch dann kommt Adams zweiter achter Geburtstag und die Dinge beginnen aus dem Ruder zu laufen. Plötzlich leidet der Junge an Wahnvorstellungen, Albträumen und Schlafstörungen, immer wieder sieht er einen Jungen in einer roten Jacke, die der, die der erste Adam zum Geburtstag bekommen hat, zum Verwechseln ähnlich siehtů

An sich hat sich der Regisseur Nick Hamm ein äußerst brisantes Thema gewählt, aus dem sich eigentlich alles herausholen lässt: Gruseleffekte, Gesellschaftskritik, die Frage nach Ethik und Moral, eigentlich Story, Spannung und Hintergrund. Leider gelingt es ihm nicht, dieses Potential auszuschöpfen. Die Wahl der Darsteller ist Geschmacksache: Viele Kinofans werden schon beim Namen "De Niro" hellhörig und sind von einer gewissen Grundqualität des Streifens überzeugt, denn dieser Schauspieler kann wahre Wunder bewirken, das hat er schon mehrfach bewiesen. Leider wirkt er in diesem Fall wie immer durchaus überzeugend, aber nicht mehr. Man hat viel mehr das Gefühl, er würde sich langweilen, sein Potential nicht voll ausschöpfen und die Rolle einfach leerlaufmäßig herunterspulen. Sein Charakter wirkt natürlich interessant und am Geheimnisvollsten von allen, denn zum einen sorgt er wie ein Vater für die Familie, zum anderen kommt man als Zuschauer nicht umhin, zu spüren, dass er irgendetwas zu verbergen hat. Trotzdem bleibt ein laues Gefühl zurück, so als wenn man sicher wäre, dass dieser grandiose Schauspieler nicht etwas mehr aus dieser Rolle hätte herausholen können als bloße Überzeugung.

Ihm zur Seite stehen Greg Kinnear und Rebecca Romijn-Stamos, die die verzweifelten Eltern darstellen. Nicht mehr und nicht weniger. Der Zuschauer bekommt nicht das Gefühl, sie wären mit ihrer Aufgabe überfordert oder ihr nicht gewachsen, denn beide mimen die Szenen, in denen sie wichtige Rollen übernehmen, annehmbar, doch auch nicht herausragend und man ist sich sicher, dass beide in der zweiten Reihe durchaus gut aufgehoben sind. Mit der Wahl des Jungdarstellers Cameron Bright ist allerdings auf keinen Fall ein Fehler gemacht worden, denn dieser kleine Mann überzeugt in der Rolle des anfangs normalen, dann traumatisierten und schließlich immer Furcht einflößender werdenden Kindes voll und ganz. Er allein lässt dem Zuschauer an den meisten Stellen eiskalte Schauer über den Rücken laufen - der Grund ist einzig und allein sein Blick. Man sieht sich zunehmend einem Achtjährigen gegenüber, der einfach nur böse aussieht und nur weniges macht Erwachsenen mehr Angst. Zu Beginn des Films wirkt er völlig normal und fröhlich, dann, durch schreckliche Visionen geplagt, verstört und angstvoll, bis er eine Entwicklung durchmacht, die stark an die der Kinder aus dem Gruselschocker "Das Dorf der Verdammten" erinnert, allerdings ohne rote Augen oder andere verstärkende Effekte.

So wären eigentlich mit der Wahl des Themas und von zwei Darstellern mit sehr viel Potential ideale Voraussetzungen für einen gelungenen Film gegeben, doch leider wurde das Meiste davon einfach verspielt. Das beginnt mit dem schon erwähnten durchwachsenen Auftritt De Niros, der an nicht viel mehr als an der Gage für seine Rolle interessiert gewesen sein kann. Weiterhin wird auf das hochaktuelle und Medienorientierte Thema so gut wie kein Wert gelegt, da weder die moralische, noch ein winziges Stück der technischen Seite angeschnitten werden. Das Problem der Genforschung und des Klonens wird nur erwähnt, um seinen Teil zu der viel zu unausgebauten Story zu tun. Die wenigen Gruseleffekte, die neben dem Talent des Jungen eingesetzt werden, erinnern zu stark an alte Klassiker oder sind einfach nur viel zu bekannte Effekte, also plötzliche, grelle Bilder von Gewalt, lange Gänge und die passende Musik. Es wird nichts Neues geboten, wo doch so viel möglich gewesen wäre, denn in vermutlich jedem Kopf kommen beim Überfliegen des Inhalts sehr viele Ideen auf, die in Richtung des Genres tendieren und auch noch interessant sein oder Potential haben können.

Mischt man also das völlig verkorkste Thema, aus dem man so viel hätte machen können, mit den vielen mittelmäßigen Darstellern, einer albtraumähnlich lückenhaften und teilweise völlig zusammenhang- und erklärungslosen Story sowie den veralteten und bekannten Gruseleffekten, bleibt nicht viel übrig. Es ist auf keinen Fall so grausam, dass man es im Kino kaum noch aushält oder sich über dämliche Effekte totlachen könnte, was auch eine Form der Unterhaltung sein könnte. Vielmehr bleibt der Film völlig hinter den ihm gestellten Erwartungen zurück, kann kaum fesseln und man verlässt den Kinosaal mit dem traurigen Gefühl, wie viel hier doch verschenkt wurde und was nicht alles mit einem solch brisanten Thema hätte möglich sein können.



Note: 4+



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