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Harry Potter und der Gefangene von Askaban



Land: USA
Laufzeit: 141 Minuten
FSK: 12
Starttermin: 3. Juni 2004

Genre: Fantasy-Abenteuer

Regie: Alfonso Cuarón
Drehbuch: Steven Kloves
Darsteller: Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson, Alan Rickman, Gary Oldman, David Bradley, Maggie Smith, Emma Thompson, Robbie Coltrane, Michael Gambon, Richard Griffiths, Fiona Shaw, Timothy Spall, David Thewlis, Julie Walters, Tom Felton, Robert Hardy, Mark Williams, Pam Ferris, Paul Whitehouse, Julie Christie
Kamera: Michael Seresin
Schnitt: Steven Weisberg
Musik: John Williams








Mit "Harry Potter" wären wir wohl wieder bei einer Thematik, an der sich die Geister scheiden. Wer ihn nicht liebt, hasst ihn oder findet dieses ganze Zaubergetue einfach affig. Und letztere werden wohl sicher nicht in den Genuss der bisher besten Verfilmung eines der so genialen "Potter"-Bücher kommen. Schon interessant, wenn man sich, insofern man den Film sehen möchte, mal im Kino umschaut: Nahezu jede Altersklasse ist vertreten. Für die ganz kleinen Kinder könnte die eine oder andere Szene doch etwas erschreckend seinů

Wir schreiben das dritte Schuljahr für Harry, Ron und Hermine (wieder gespielt von den sichtlich gealterten Daniel Radcliff, Rupert Grint und Emma Watson), die nach den Sommerferien, für Harry wie immer problemreich mit Onkel und Tante Dursley verbunden, wieder nach Hogwarts zurückkehren. Doch schon im Zug merken sie, dass sich einiges ändern wird: Zum einen sitzt ein fremder Lehrer in ihren Abteil, Remus Lupin, der sich später als ihr neuer Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste herausstellt, zum anderen tauchen plötzlich die unheimlichen Wächter des Gefängnis' Askaban, die frostig-düsteren Dementoren, auf. Und dann wäre da noch Sirius Black; ein Zauberer, der nach 12 Jahren Haft in eben diesem Gefängnis ausgebrochen ist und an den Tod von Harrys Eltern Schuld sein soll. In Hogwarts angekommen, fällt "Potter"-Fans sicher sofort ein Darstellerwechsel auf: Schuldirektor Albus Dumbledore hat nicht das bekannte Gesicht von Richard Harris, sondern wird nach dem kürzlichen Tod des Schauspielers von David Bradley übernommen. Eine Verschnaufpause bleibt nicht, denn sofort wird der Zuschauer in den Schulalltag gestürzt: Ob Pflege magischer Geschöpfe mit Wildhüter Hagrid und dessen faszinierendem kleinen Freund Seidenschnabel, dem Hippogreif; oder Wahrsagen mit Sibyll Trelawny, die hinter aschenbecherdicken Brillengläsern hervorlugend durch den Raum schwebt - alles wirkt magisch. Quidditch und auch die Darstellung der vielen Mitschüler mögen im Verhältnis zu früheren Verfilmungen etwas kurz kommen, aber diese Plätze werden von Unterricht und Gesprächen mit Professor Lupin oder Besuchen in Hogsmeed eingenommen.

Mit der Verfilmung von Büchern und ganz besonders Bestsellern ist es ja immer so eine Sache: Wer wirklich eine Leseratte ist und sie zu seinen Lieblingswerken erkoren hat, kann mit einer Verfilmung zwangsläufig kaum zufrieden sein. Vor allem wenn es um eine Thematik geht, die so sehr auf Phantasie jedes einzelnen gestützt ist, wie die Geschichte eines Jungens, der mit 11 erfährt, dass er ein berühmter Zauberer ist. Ohne jeden Zweifel war Regisseur Chris Columbus in "Harry Potter und der Stein der Weisen" sowie "Die Kammer des Schreckens" eine ordentliche Darstellung der von Joane K. Rowling geschaffenen Welt gelungen und doch bleibt dem Zuschauer, der die Bücher fast auswendig kann, und das sind sicher eine ganze Menge, ein etwas fader Nachgeschmack, weil irgendwie das Phantastische, das "Harry Potter" ausmacht, fehlte.

Diese kleine Schwäche kann nun der dritte Teil fast vollständig verschwinden lassen - er wirkt viel lebendiger, humorvoller und phantasievoller als die Vergangenen. Zum einen mag das an dem Altern der Hauptdarsteller liegen, die ohne Zweifel an Reife, Schauspielerfahrung und Talent gewonnen haben, aber auch maßgeblich daran, dass dem neuen Regisseur Alfons Cuarón eine einfach bessere Umsetzung gelungen ist und die Verfilmung auch ein wenig gelöster vom Buch erscheint. Damit soll nicht gemeint sein, dass viel dazugedichtet oder weggelassen wurde, sondern einfach, dass die visuellen Möglichkeiten mehr ausgeschöpft werden und den Personen ein etwas tieferer Filmcharakter gegeben wird. So wird auch ein eingefleischter "Potter"-Leser bei Harrys und Hermines Zeitreise den einen oder anderen kleinen Aha-Effekt erleben, da diese im Buch nicht aufgetaucht ist. Kleine, aber nette bissig-coole Kommentare der Heranwachsenden stammen zwar nicht aus der originalen Rowling-Feder, tragen aber ebenfalls zur Auflockerung bei. Weiterhin wurden die doch etwas grauenhaft aussehenden Zauberermützen der Schüler verbannt und in der Freizeit die Mäntel durch aktuelle Kleidung ersetzt.

Wie schon erwähnt, wirken die jungen Darsteller weitaus reifer und können mit mehr schauspielerischer Leistung überzeugen als in vergangenen Filmen und besonders Rupert Grint zeigt ab und zu wahrlich Hollywood-reife Mimik. Auch Daniel und Emma spielen solide und verkörpern ein weiteres Mal die legendären Buchhelden auf bezaubernde Weise. Zum ersten Mal ruht ein "Potter"-Film auch mehr auf den Schultern erwachsener Darsteller, so hat zum Beispiel Emma Thompson mit der Verkörperung der leicht durchgeknallten Tralewny überzeugend den einen oder anderen Lacher auf ihrer Seite und außerdem können Alan Rickman, ein weiteres Mal als schön-schmieriger Snape, David Thewlis als sympathischer Professor Lupin oder Gary Oldman als manchmal Furchterregender, dann melancholisch-zerstörter Sirius Black positiv erwähnt werden.

Auch die Darstellung des Schlosses und der wunderschönen Natur mit See, Bergen, dem Wald und weit ausgedehnten Feldern gelingt besser denn je und ab und zu nimmt sich Regisseur Cuarón die Zeit, um einen Flug oder Ritt vor eben dieser hübschen Kulisse ein wenig auszudehnen und Ruhe in das Geschehen zu bringen. Das ist auch dringend nötig, denn manchmal kann sich der Zuschauer von der Aneinanderreihung bekannter Ereignisse, für die in einem Buch natürlich viel mehr Spielraum bleibt, halb erschlagen fühlen. Und dennoch ist mithilfe der "Potter"-typischen Musik, altbekannten Schauspielern und einem traumhaften alten Schloss wieder diese Stimmung aufgekommen, die man von jedem neuen "Potter"-Film erwartet.

Auch wenn jeder Leser für sich selber eine eigene Vorstellung der Welt rund um Harry Potter hat und es einem Film nie gelingen wird, mit genau diesen Gedanken überein zustimmen, so wird dennoch keine Phantasie des Einzelnen zerstört, denn man merkt als Zuschauer, dass in diese Verfilmung wirklich viel Liebe und Zeit gesteckt wurde - andernfalls wären die putzigen Darstellungen von Hagrids Anzug oder dem Hippogreif kaum möglich gewesen. Noch ein Rat an dieser Stelle: Wer "Harry Potter"-Frischling ist und weder Buch noch Filme kennt, sollte - auch wenn es schwer fallen mag - als erstes zu den Büchern greifen, denn sie bieten mehr Platz für eigene Phantasien und man sollte nicht durch die filmische Darstellung voreingenommen beginnen zu lesen. Auch sind sie natürlich weitaus umfangreicher und um das zu verfilmen, was Cuarón ohne jeden Zweifel auch gelungen wäre, hätte es schon mehr einer 20teiligen Serie als eines kleinen Films benötigt. Umgekehrt wirkt eine Verfilmung als nette Ergänzung des Gelesenen, auch wenn sie es qualitativ, trotz des sehr guten Ergebnisses in diesem Fall, nie erreichen werden kann. Es bleibt zu sagen, dass ein solcher Film natürlich nicht den Platz zu schauspielerisch herausragenden Höchstleistungen lässt, aber die werden eigentlich auch gar nicht erwartet, denn alle wirken voll und ganz überzeugend. Der Zuschauer kann sich setzen und, ob jung oder alt, einfach mal für reichliche zwei Stunden verzaubern lassen.



Note: 1



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