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Running Scared



Land: USA
Laufzeit: 122 Minuten
FSK: 16
Starttermin: 13. April 2006

Genre: Action-Thriller

Regie: Wayne Kramer
Drehbuch: Wayne Kramer
Darsteller: Paul Walker, Cameron Bright, Alex Neuberger, Chazz Palminteri, Vera Farmiga, Karel Roden, Ivana Milicevic, Arthur Nascarella, Bruce Altman, Elizabeth Mitchell, Shawn Hatosy, Wayne Brady, Michael Rappaport, Jacqueline Obradors, John Messner
Kamera: James Whitaker
Schnitt: Arthur Coburn
Musik: Mark Isham








Ihr kennt das bestimmt auch: Es gibt Filme, da fragt man sich ab einem gewissen Zeitpunkt einfach nur noch, ob das wirklich alles ernst gemeint sein kann, was da vor den eigenen Augen abläuft. Und wenn man schließlich denkt "dümmer geht's echt nicht mehr", folgt auch schon die nächste Dummheit, eifrig darum bemüht, den Gipfel der Dämlichkeit zu erklimmen. Doch dieses Unternehmen scheitert. "Running Scared" gibt sich zwar alle Mühe dabei, wird aber sicher im Laufe des Jahres leider noch von dem einen oder anderen Film unterboten werden.

Die Ausgangslage gestaltet sich wie folgt: Joey (Paul Walker) arbeitet für die Mafia und wird zusammen mit ein paar Kollegen in einem Zimmer von einer Bande korrupter Bullen überrascht. Es entwickelt sich eine blutige Schießerei, die auf beiden Seiten Opfer fordert. Joey wird damit beauftragt, die Tatwaffe verschwinden zu lassen und verstaut sie am Abend in einem Geheimplatz im Keller. Dumm nur, dass er dabei von seinem Sohn Nicky (Alex Neuberger) und dessen russischen Freund und gleichzeitig Nachbarn Oleg (Cameron Bright) beobachtet wird. Letzterer nimmt die Waffe mit zu sich nach Hause und schießt seinen gewalttätigen Stiefvater an, womit die Probleme für Joey so richtig beginnen, denn Oleg verschwindet zusammen mit eben jener Tatwaffe. Für Joey gilt es nun, ihn vor der Polizei zu finden, wobei ihm gleichzeitig seine Mafia-Kollegen im Nacken sitzen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginntů mal wieder.

Eigentlich beginnt der Film ja ganz viel versprechend. In der Schießerei zwischen Mafia und Polizei arbeitet Regisseur Wayne Kramer mit coolen Ideen, indem er zum Beispiel kurz "zurückspult" und einige Sekunden aus der Perspektive eines anderen Beteiligten zeigt. Er lässt die Kamera voll draufhalten, was auf kompromisslose Action hoffen lässt, und eröffnet ein Szenario, das zwar nicht neu ist, jedoch Stoff für eine nichtsdestotrotz interessante Geschichte liefern könnte: nämlich die Tatsache, dass sich die anderen als Polizisten herausstellen. Jedoch rückt dieser Ansatz in den Hintergrund und stattdessen handeln die zwei folgenden Stunden von Joey, auf der Suche nach der verloren gegangenen Waffe. Und ob er diese findet - nun ja, um es mal auf gut Deutsch zu sagen - ist einem wirklich so etwas von scheißegal. Die einzige Geschichte, die vermutlich öfter als die "Wir erschießen aus Versehen Bullen"-Sache erzählt wurde, ist die "Verdammt, die Waffe ist verschwunden"-Story. Dies lässt darauf schließen, dass Kramer rein gar nichts zu erzählen hat und uns deswegen mit diesem Müll versorgt, den doch eigentlich kein Mensch braucht.

Die Liste ist lang; wo fangen wir anů Vielleicht mit Joey, dem Mittelpunkt unserer Handlung. Wir leben in einer Zeit, in der das Publikum nicht mehr die 08/15-Helden ohne Ecken und Kanten vorgesetzt bekommen möchte. Stattdessen bedarf es richtigen Menschen, aus dem Alltag, gerne auch mal mit eisenharter Schale. So weit, so gut. Wenn man dann jedoch den Fehler begeht, diese Person zu einem einzigen Arschloch zu machen, an das der Zuschauer jedoch seine Sympathien knüpfen muss, damit der Film funktioniert, erreicht man das genaue Gegenteil: Und so wird wohl jeder einen Moment finden, in dem er Joey den schnellen Tod wünscht, und das nicht nur, damit der Film endlich vorbei ist. Er arbeitet für die Mafia, behandelt seinen Vater wie den letzten Dreck, grabscht seiner Frau als Erstes an den Arsch, wenn er nach Hause kommt (jawohl, so müssen harte Kerle sein!), versteckt Dutzende Waffen im Keller seines Hauses, wobei er doch ganz genau weiß, dass sich sein Sohn und dessen Freund dort unten aufhalten, um Hockey zu spielen, wird seinem Sohn gegenüber später aggressiv, obwohl er selbst die Sache verbockt hat, und nimmt ihn schließlich noch in seinem Auto auf der Suche nach der Waffe mit und schleift ihn somit in Gegenden, in die man Kinder dann eher doch nicht mitnehmen sollte. Gegen Ende schwingt er dann noch eine tolle patriotische Rede, die jedem den Rest geben dürfte. Ist das also jemand, dem ihr eure Sympathien schenken wollt?

Noch ärgerlicher als diese fatale Fehlkalkulation jedoch ist das, was sich Drehbuch nennt. Etwas Hirnrissigeres hat man schon lange nicht mehr zu sehen bekommen. Da ich in diesem und dem folgenden Absatz recht viele Details ausplaudere, besteht Lesen auf eigene Gefahr. Nun denn: Scheinbar handelt es sich bei allen Einwohnern der Stadt um Kriminelle. Dass anscheinend alle Bullen korrupt sind, lässt sich noch verkraften; was Oleg auf seiner Flucht jedoch erlebt, schon weniger. An dem Ort, wo er sich am Liebsten aufhält, wimmelt es vor grausigen Kreaturen, die irgendwie alle ein Rad abhaben. Später trifft er auf einen Zuhälter, der einer seiner "Angestellten" eine ziemlich unschöne Lektion erteilt. In Folge weiterer uninteressanter Ereignisse flüchtet er vor seinem Stiefvater und versteckt sich in einem Van, dessen - welch glücklicher Zufall - Hintertüren nicht verschlossen sind. Dort bleibt er solange, bis er von einem scheinbar sehr lieben Paar entdeckt wird, das ihn erst einmal mit zu sich nach Hause nimmt. Doch nun der Hammer der Lächerlichkeit: Es stellt sich heraus, dass es sich dabei um Pädophile handelt, die ein kleines Filmchen drehen wollen. Gott sei Dank kann Oleg Teresa, Joeys Frau, anrufen, die prompt erscheint und die Beiden, als sie erkennt, was sie sind, über den Haufen schießt - natürlich nicht in Notwehr, versteht sich. Wie so vieles in diesem Film, bleibt auch diese Tat ohne Folgen.

Auch Joey selbst hat es nur mit Kriminellen zu tun. Die in einem Spülkasten einer Raststätte versteckte Waffe wurde von einer Reinigungskraft entdeckt und mit nach Hause genommen. Vermutlich handelt es sich in Amerika bei 95 Prozent aller Reinigungskräfte um Kriminelle, also handelt es sich wohl nicht um Zufall. Dass dieser die Waffe anschließend an den Zuhälter, den Oleg getroffen hat, weiter verkauft - also wer will hier von Zufall sprechen? Und dass dieser wiederum wenige Stunden später erneut auf Oleg trifft? Also bitte, so etwas passiert in größeren Städten andauernd.

Ich hoffe, dass ich euch mittlerweile davon überzeugen konnte, diesen Film zu meiden, falls ihr denn überhaupt vorhattet, ihn euch anzusehen. Ansonsten helfen vielleicht diese Argumente noch etwas weiter: Die Kameratechnik erinnert an jene Nervige aus "24". Vermutlich wird die Großzahl darauf stehen, sonst wäre die Serie nicht solch ein Hit, aber ich empfinde diese ruckartigen Zooms auf die Gesichter, die einem wohl sagen sollen "Schaut hin, sonst verpasst ihr einen wichtigen Gesichtsausdruck", als unangenehm. Nein danke, ich mag es lieber dezent und weniger aufdringlich. Die anfänglich noch interessanten Spielereien des Herrn Regisseurs erweisen sich auch schon bald als nervtötend und bloße Effekthascherei. Und auch zwei gerne gesehene Elemente mussten anscheinend unbedingt noch mit rein. Zunächst das Foreshadowing, das den Film mit einer Szene beginnen lässt, die 18 Stunden nach der Schießerei spielt, und wohl zeigen soll, dass auch ganz tolle Sprünge in der Zeit zum Repertoire gehören. Ob das nun irgendwie von Bedeutung ist, zum Beispiel, dass der Zuschauer die Szene beim zweiten Mal Sehen aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und sie ganz anders versteht - drauf geschissen. Punkt zwei ist der Drang, unbedingt am Ende noch eine tolle Wendung einbauen zu müssen, die sich - man kann es sich denken - nur als weiteres Eigentor erweist, das den Film nun nicht nur dumm, sondern auch noch unlogisch erscheinen lässt. Glückwunsch!

Doch kommen wir abschließend noch zu etwas Positivem. Zumindest die Leistungen der Darsteller lassen sich ertragen. Paul Walker spielt das Aschloch ziemlich gut. Dass dies dem Film jedoch eigentlich nicht gut tut, wurde bereits erwähnt. Mit Chazz Palminteri ("Die üblichen Verdächtigen") und Cameron Bright ("Godsend", "Birth") trifft man zudem auf nicht unbekannte Namen. Doch vor allem, dass sich Palminteri in einem Film dieser Qualität blicken lässt, löst leichtes Entsetzen aus.

War von Wayne Kramer denn eigentlich mehr zu erwarten? Schon "Mindhunters", zu dem er das Drehbuch verfasste, wird wohl nicht als klügster Film aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Hier setzt er noch einmal einen obendrauf (oder vielmehr untendrunter). "Running Scared" gerät teilweise so dämlich, dass man gar nicht anders kann, als zu lachen. Ernsthaft stelle ich mir sogar die Frage, ob es sich nicht vielleicht doch um eine Parodie handelt, aber die wiederum wäre bis auf wenige Ausnahmen absolut unwitzig. Vielleicht soll man diese Passagen auch als Auflockerung für zwischendurch verstehen. Dies wiederum beraubt den Film seiner Ernsthaftigkeit, wodurch er irgendwie zwischen allen Genres schwebt. Zu Beginn und gegen Ende geht es übrigens recht heftig zur Sache - nur als Warnung für etwas zartere Gemüter. Ach, was rede ich hierů geht diesem Film aus dem Weg, egal ob ihr "Der König der Löwen" als brutal empfindet oder Nägel zum Frühstück verspeist.



Note: 5+



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