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Wimbledon



Land: USA / Großbritannien
Laufzeit: 98 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung
Starttermin: 24. März 2005

Genre: Liebes-Komödie

Regie: Richard Loncraine
Drehbuch: Adam Brooks, Jennifer Flackett, Mark Levin
Darsteller: Paul Bettany, Kirsten Dunst, Sam Neill, Bernard Hill, Eleanor Bron, James McAvoy, Karl Hyde, Robert Lindsday, Jon Favreau, Austin Nichols, Nikolaj Coster-Waldau, John McEnroe, Celia Imrie, Annabel Leventon, Amanda Walker
Kamera: Darius Khondji
Schnitt: Humphrey Dixon
Musik: Edward Shearmur








Im Verlauf eines Tennisjahres stehen für die Spitzensportler dieser Welt vier große Turniere auf dem Programm. US Open, Australian Open, French Open - dies sind drei davon, doch keines von ihnen erreicht auch nur annähernd die Bedeutung von Wimbledon, ausgetragen in England auf dem "Heiligen Rasen". In dem nach diesem Turnier benannten Film unter der Regie von Richard Loncraine kämpfen die Sportler jedoch nicht nur um Spiel, Satz und Sieg, sondern ebenso um die große Liebe. Doch wenn das mal gut gehtů

Peter "Peter" Colt (Paul Bettany) belegt Platz 11 der Weltrangliste - zumindest, wenn wir uns im Jahre 1996 befänden. Denn die Gegenwart sieht anders aus: Ein knappes Jahrzehnt später zählt der einstige Spitzensportler nicht einmal mehr zu den besten 100 Tennisspielern und steht im Alter von 31 Jahren kurz vor dem freiwilligen Karriereende. Eine so genannte "Wild Card" beschert ihm jedoch das Glück, noch einmal in Wimbledon, in seinem Heimatland, antreten zu dürfen. Niemand, nicht mal er selbst, glaubt an das Erreichen der zweiten Runde, doch wie durch ein kleines Wunder gelingt es Peter, als Sieger vom Platz zu gehen. Auf seine "alten" Tage scheint er sich in die Form seines Lebens zu spielen und marschiert unaufhaltsam Richtung Finale. Gute Vorbereitung? Glück? Oder trägt der Grund für seinen Erfolg nicht doch vielleicht den Namen Lizzie Bradbury (Kirsten Dunst) und spielt selbst überaus erfolgreich Tennis? Es handelt sich um Liebe auf den ersten Blick, doch während Peter durch diese beflügelt wird, scheint sie Lizzie stark zu hemmen, weshalb sich deren Vater Dennis (Sam Neill) gezwungen sieht, einzugreifen.

Wer nun schon die erste Chance wittert, den Film bezüglich seiner Grundidee - erfolgloser Oldie spielt ganz plötzlich hervorragend Tennis und gewinnt am Ende vielleicht sogar das Turnier - anzugreifen, dem sei gleich Folgendes mit auf den Weg gegeben: Vor wenigen Jahren war es ein gewisser Kroate Namens Goran Ivanisevic, der wie aus dem nichts aus der Versenkung auftauchte, mit einer Wild Card bis ins Finale vorrückte, indem er die besten Spieler dieser Welt schlug, und letztendlich sogar den Turniersieg in einem atemberaubenden Match gegen Patrick Rafter (Entschuldigung, hier geht der Sport-Fan mit mir durch) für sich verbuchen konnte. Gewissermaßen beruht dieser Film also auf einer wahren Begebenheitů

Nun aber wieder zurück zum eigentlichen Thema: Wenn man sich dann tatsächlich in diesen Film traut, wird man doch das eine oder andere Mal sehr überrascht - und zwar im positiven Sinne. Das geht schon los mit dem äußerst originellen Vorspann, in dem die Namen der beteiligten Personen wie in einem Tennismatch von der einen zur anderen Seite geschlagen werden und im Hintergrund Zuschauer zu erkennen sind, die passend dazu ihre Köpfe bewegen. Auch an der nötigen Romantik, die einer romantischen Komödie sinnvollerweise nicht fehlen sollte, mangelt es dem Film keineswegs. Überhaupt handelt es sich bei "Wimbledon" erneut (nach "Hitch") um einen sehr gelungenen Gute-Laune-Film, der sicherlich nicht für seine Tiefsinnigkeit in die Geschichte eingehen wird, aber wenn sämtliche Dialoge sitzen und Charaktere nett ausgearbeitet wurden, fragt doch auch gar niemand danach. Kritikpunkte an dieser Stelle? Etwas schnell schreitet die Love-Story der beiden Tennis-Profis schon voran, so dass man sich zunächst erst einmal fragt, wann genau sie sich denn bitte ineinander verliebt haben sollen. Gänzlicher Mangel an überraschenden Wendungen - etwas schade, aber man nimmt es halt hin.

Ein etwas zwiespältiges Gefühl hinterlassen die Tennis-Matches, denen natürlich auch ein gewisser Platz eingeräumt wird, sonst würde die ganze Geschichte wohl kaum funktionieren. Eines sucht man hier keinesfalls vergebens: Kreativität. Teils hervorragende Ballwechsel, interessante und abwechslungsreiche Kamerafahrten und -einstellungen sowie Peters Stimme, die seine Gedanken vor einem Aufschlag schildert und somit für manchen Lacher sorgt, beherrschen das Geschehen. Die Fluglinien der Tennisbälle wurden selbstverständlich mit dem Computer bearbeitet - wir haben es hier ja nicht mit Profis zu tun - was man gelegentlich auch ganz gut erkennen kann. Wirklich ärgerlich ist jedoch die Tatsache, dass gerade das Finale Authentizität vermissen lässt. Klar, mancher wird sich daran nicht stören, doch wer schon mehr als einmal ein Tennismatch in voller Länge verfolgt hat, wird wissen, dass es einfach auszuschließen ist, dass einer der besten Tennisspieler der Welt den Ball aus kürzester Entfernung ins Netz drischt, anstatt ihn sanft über den am Boden liegenden Gegenspieler mitten ins Feld zu spielen. Sicherlich nur eine Kleinigkeit, die aber einfach zu stark mit dem zuvor recht ausgeprägtem Realismus bricht, als dass man sie einfach "übersehen" könnte.

Schauspielerisch wird hier sicherlich niemand gefordert, was jedoch nicht bedeuten soll, dass es keinen Spaß macht, den beiden Hauptakteuren bei ihrem Spiel miteinander zuzusehen. Denn genau das ist der Fall. Der Auftritt Sam Neills weiß ebenso zu gefallen, auch wenn man vergebens darauf wartet, dass ein Dino über den Rasen marschiert. Allerdings wirkt sein Charakter mit zunehmender Dauer immer weniger glaubwürdig, da er im Grunde seine Position am Ende komplett ändert, ohne dass dem Zuschauer wirklich klar wird, warum dies der Fall ist.

Also: Nicht darüber nachdenken, warum sich Peter und Lizzie ineinander verlieben oder einige andere Dinge zutragen, sondern genießen. Und zwar eine romantische Komödie, die häufig erfreulich frisch daher kommt und der es sicherlich nicht an Humor und sympathischen Charakteren mangelt. Wer "Wimbledon" als Sportfilm betrachtet, darf sich darüber freuen, dass seine Lieblingssportart manchmal richtig schön in Szene gesetzt wird, sollte sich aber auch nicht darüber ärgern, wenn ihm die oben beschriebene Aktion vor die Augen kommt. Übrigens - und auch dies musste bei "Hitch" schon angemerkt werden - scheint die Auswahl guter Songs momentan voll im Trend zu liegen.



Note: 2-



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